Der FCW dreht eine bereits verloren geglaubte Partie in Gossau: Nach einem 3:0-Rückstand zur Pause kämpft sich Wiesendangen zurück und gleicht in der Nachspielzeit durch Debütant Cyril Dietz zum 4:4 aus.
Es war ein Spiel, das wohl sämtliche Anhänger des FCW irgendwann einmal gerne vergessen würden – und gleichzeitig keines, das man so schnell vergessen wird. Zum ersten Mal durfte Wiesendangen auf dem neuen Kunstrasen in Gossau antreten. Die vergangenen Begegnungen hatten dabei bereits eine gewisse Vorahnung geliefert: Auf dem alten, grässlichen Gossauer Kunstrasen hatte der Gastgeber meist die Oberhand behalten, während der FCW auf dem Rasenplatz der Gossauer seinerseits regelmässig erfolgreich war. Es schien also durchaus die Frage erlaubt, ob der neue Untergrund an diesem Abend etwas an diesen Gesetzmässigkeiten ändern würde.
Die ersten zehn Minuten gehörten allerdings klar dem Heimteam. Gossau war präsenter und setzte den FCW früh unter Druck. Doch auch Wiesendangen kam zu seinen Möglichkeiten – und hätte eigentlich selbst in Führung gehen müssen. Gleich zweimal bot sich dem FCW eine Topchance, doch sowohl Tobi Meli als auch Robin Oehninger scheiterten knapp. Und wie es sich für ein Spiel dieser Kategorie gehört, folgte die Quittung beinahe postwendend: In der 38. Minute erzielte Gossau das 1:0.
Es kam noch schlimmer. Nur kurze Zeit später erhöhte das Heimteam auf 2:0, ehe praktisch mit dem Pausenpfiff sogar noch das 3:0 fiel. Eine erste Halbzeit, die aus Wiesendanger Sicht eigentlich bereits alles andere als nach Plan verlaufen war. Die Partie schien entschieden.
Doch wer den FCW kennt, weiss: Aufgeben gehört nicht zum Programm. Trainer Sokol Maliqi stellte nach dem Seitenwechsel auf eine Dreierabwehr um und brachte mit Robin Wüst eine zusätzliche Offensivkraft. Und der Wechsel sollte sich schneller auszahlen, als eine Mücke zustechen kann. Keine drei Minuten stand der eingewechselte Wiesendanger auf dem Platz, da staubte er nach einem Abpraller zum 3:1 ab.
Plötzlich war Leben in der Partie. Der FCW hatte sich gefunden und glaubte wieder an das eigentlich Unmögliche. In der 64. Minute war es Robin Oehninger, der den Anschlusstreffer zum 3:2 erzielte. Wiesendangen war nun klar am Drücker, das Momentum schien endgültig auf die Seite des FCW zu kippen.
Doch noch bevor dieser Satz gedanklich beendet werden konnte, schlug Gossau zurück. Mit dem 4:2 erhielt das Wiesendanger Momentum einen empfindlichen Dämpfer. Aber auch dieser “Nackenschlag” konnte mit kräftigem Kopfschütteln eingesteckt werden. Die Wiesendanger kämpften weiter, rannten an und wurden in der 79. Minute belohnt: Tobi Meli verkürzte erneut und machte aus einer eigentlich längst entschiedenen Partie wieder ein Fussballspiel.
Und dann kam die 87. Minute. Cyril Dietz betrat für Oehni den Platz und feierte damit sein Pflichtspieldebüt für den FCW. Viel Zeit blieb dem Debütanten nicht, um sich in die Partie einzufügen. Aber offenbar genau genug. Denn in der 93. Minute war es tatsächlich Cyril Dietz, der zum 4:4 ausglich. Ein Debüt, das man sich wohl kaum besser hätte schreiben können.
Und so waren am Ende tatsächlich acht Kisten auf beide Seiten gleichmässig verteilt. 4:4. Aus einem 0:3 wurde ein Punkt – und aus einer Partie, die zur Pause praktisch entschieden schien, ein Abend, über den beim FCW wohl noch länger gesprochen werden dürfte.
Der FCW zeigte dabei einmal mehr, dass eine Partie erst dann verloren ist, wenn der Schiedsrichter abpfeift. Die erste Halbzeit darf durchaus kritisch betrachtet werden. Die Reaktion nach dem Seitenwechsel hingegen war bemerkenswert. Und spätestens seit der 93. Minute weiss auch Cyril Dietz, dass Pflichtspieldebüts beim FC Wiesendangen offenbar gerne mit einem Tor gefeiert werden.
YN aus W
