Der FCW löst die heikle Aufgabe am Gründonnerstag in Siebnen schliesslich im Penaltyschiessen und steht erstmals seit 2022 im Halbfinale des Regiocups.
Mit Josh Toma trat der erst vierte Wiesendanger Penaltyschütze an – doch nach seinem erfolgreichen Versuch brauchte kein weiterer seiner Kollegen anzulaufen, denn: Siebnen hatte – teils auf ziemlich klägliche Art – zwei seiner Elfmeter verschossen, während beim FCW Zinedin Fresneda, Tobi Meli und Sämi Misteli souverän verwandelt hatten. Zur grossen Freude der mitgereisten Fangemeinde hatte man diese heikle Aufgabe also doch noch erfolgreich gelöst – und sie sah für etwas mehr als 70 Minuten trotz augenscheinlicher Feldüberlegenheit des FCW in der Tat heikel aus.
Der Grund für einen aufreibenden Cup-Fight gegen einen Unterklassigen, der sein 3.-Liga-Tableau deutlich anführt, war schnell gefunden: Ein einfaches, ja völlig unnötiges Gegentor nach nicht mal zehn Minuten, bei welchem die sonst so stilsicheren Deny Huber und Dario Zgraggen nicht sehr gut ausschauten. "Selbst Routiniers wie ihnen kann sowas mal passieren", kommentierte Trainer Sokol Maliqi die Szene nüchtern. Und es war auch zu sagen, sie hätten sich in der Folge nicht davon verunsichern lassen. Es präsentierte sich den Wiesendangern aber fortan das Problem, gegen einen unbequemen Gegner einem Rückstand hinterherzulaufen. Siebnen schindete clever Fouls, versuchte den Schiedsrichter zu beeinflussen, während die Gäste den Ball dominierten, aber wenige wirklich konkrete Torchancen vor dem Seitenwechsel kreierten.
"Siebnen", so sagte es hinterher Maliqi, "war die erwartete Knacknuss". Beizufügen war aber, dass die Dominanz des FCW im zweiten Durchgang fast schon erdrückend war. Also beobachtete auch der Trainer, "dass wir ihre Stärken über Standards und Konter sehr gut neutralisiert haben". Man konnte gar behaupten, die Heimequipe habe keinen einzigen halbwegs gefährlichen Angriff zustande gebracht, ein wohl vorentscheidendes zweites Tor lag nie in der Luft. Gleichwohl lief dem FCW die Zeit nach der ein oder anderen verpassten Chance davon, bis Josh Toma einen gediegenen Freistoss in den Strafraum zirkelte, wo Zinedin Fresneda seine persönliche Leistung mit einem Kopftor zum überfälligen 1:1 krönte.
Es schien nur noch eine Frage der Zeit, bis der FCW auch seinen zweiten Treffer markieren würde. "Wäre das Spiel noch fünf Minuten länger gegangen, hätten wir es vor dem Elfmeterschiessen entschieden", war die Sicht der Dinge von Maliqi, und dieser war zuzustimmen. Ein Eckball nach dem anderen liess den Siebner Strafraum regelrecht belagert aussehen, doch das entscheidende Tor wollte nicht fallen. Am Ende ohne Folgen für den FCW, der sich also erst im Elfmeterschiessen durchgesetzt hatte, wie schon im Achtelfinale gegen Winterthur United.
Glückhaft war das ganze jedoch ganz und gar nicht, sondern einfach nur eine verdiente Sache. "Wie die Mannschaft unsere Vorgaben umgesetzt hat, war einfach klasse", lobte Maliqi hinterher. Und fügte an: "Im Prinzip hat jedermann gut bis sehr gut gespielt". Sagte es, reiste mit seiner Mannschaft heimwärts – und nun hoffen sie alle beim FCW, ein gutes (Heim-)Los im Halbfinale zu erwischen. Die potenziellen Gegner: Stäfa, Regensdorf (beide 2.) oder Uitikon (4.). Sämi Misteli hatte es unter der Woche im "Landbote" angekündigt, und es scheint nun das grosse Ziel: Nach 2003 und 2022 zum dritten Mal ins Finale einzuziehen – und den Pott diesmal nach Wiesendangen zu holen.
Ramon Fritschi
Star man: Zinedin Fresneda. Eigentlich war es ein Tag des Kollektivs, denn es fiel niemand ab. Doch Fresneda stach als primus inter pares aus der Menge heraus: Nicht nur des wichtigen Tores wegen, sondern einmal mehr dank seiner souveränen und ruhigen Art, aber auch seiner Cleverness: Eine gelbe Karte für ein (wichtiges) taktisches Foul, das man so mal hinnimmt.
Das gab zu reden I: Deny Huber hinten links – öfter mal was Neues! Wir hüllen lieber den Mantel des Schweigens über das Gegentor …
Das gab zu reden II: Comeback von Fabian Meli kurz vor Schluss, nach seiner schweren Verletzung im Spätherbst gegen Veltheim. Welcome back, Fabi! P.S. Neue Zukunft auf der linken Seite?
Das gab zu reden III: Wie schon in Küsnacht zum Hinrundenabschluss machten auch in diesem Cupspiel an einem Donnerstagabend – über eine Autostunde entfernt – die Wiesendanger das Gros der anwesenden Zuschauer aus: Chapeau, einmal mehr. Oder wie es Maliqi formulierte: "Das macht de Plausch"!
Telegramm: Siebnen SZ 1:1 FCW, 2:5 n.P.
FVRZ-Regiocup, Viertelfinale
Ausserdorf, 120 Zuschauer (mind. Hälfte aus W.)
Tore: 8. 1:0, 72. Fresneda 1:1.
Elfmeterschiessen: Für W. treffen alle Schützen – Fresneda, T. Meli, Misteli & Toma.
