Der FCW gewinnt ein umkämpftes Derby gegen Phönix mit 2:1 und fährt somit den nunmehr vierten Vollerfolg en suite ein. Er beendet gleichzeitig seinen Fluch vom Elfmeterpunkt.
Als Tobi Meli nach einer runden Viertelstunde zum Penaltypunkt schritt, schwante so manchem Beobachter auf dem gut besuchten Rietsamen Böses – denn es war ja so: Gleich die letzten drei Versuche aus elf Metern misslangen einem jeweils anderen Wiesendanger Schützen. Mal war es Sämi Misteli in Thayngen, mal Josh Toma in Gossau, zuletzt gar Kapitän Robin Oehninger im ersten Heimspiel der Rückrunde gegen Brüttisellen. Nun also trat mit Meli ein weiterer Kandidat an, nachdem Oehninger am Ende einer geradlinigen Kombination penaltyreif gefoult worden war. Und Tobi traf dann tatsächlich, im Stile des Skorers, der er inzwischen definitiv ist. Er durfte sich das dritte Tor in der dritten Frühjahrspartie gutschreiben lassen und schraubt sein Konto auf nunmehr elf Treffer hoch.
Die Hoffnung reifte, der frühe Penalty würde dem FCW etwas Sicherheit und Kontrolle über dieses Derbyspiel verleihen, zumal die Startphase abgesehen von einem annullierten Offsidetor des späteren Penaltyschützen Meli keine grösseren Chancen hervorbrachte – was in Anbetracht des schwierig zu bespielenden und recht hoch geschnittenen Terrains auf dem Rietsamen nicht wirklich überraschte. Doch an mehr Kontrolle war im Anschluss nicht zu denken, mit dem Ball vermisste man beim FCW eine gewisse Durchschlagskraft und Präzision – aber auch "den Mut, mehr Ballbesitz zu haben und daraus Chancen zu kreieren – gerade auf einem schwierigen Platz", wie es hinterher Trainer Fabian Graf formulierte. Auch er konzedierte, dass "wir spielerisch mehr können, als wir es heute gezeigt haben".
Gleichwohl war zu sagen, dass man Phönix bis zur Pause wenig zugestand, abgesehen von einer Kopfballchance der Gäste kurz vor dem Unterbruch. Eine gewisse defensive Stabilität kristallisiert sich seit dem 2:6 in Gossau im Spätherbst tatsächlich heraus, und sie scheint Hand in Hand zu gehen mit der Rückkehr Deny Hubers in die Startelf. Auch Graf stellt fest, "dass wir gerade defensiv sehr solidarisch auftreten und konsequent als Team gegen den Ball arbeiten". Dass man dann wenige Sekunden nach Wiederanpfiff als Folge eines einfachen Ballverlusts den Ausgleichstreffer kassierte, entsprach allerdings nicht wirklich diesem "neuen" Bild der Stabilität.
Immerhin liess sich der FCW davon nicht beirren, und es passte zu diesem spielerisch überschaubaren Derby, dass auch der zweite Wiesendanger Treffer einem Standard entsprang. Josh Toma brachte einen Corner von rechts perfekt in die Mitte, wo Deny Huber mit genauso gutem Timing zum vielumjubelten 2:1 einköpfte. Im Anschluss drückten unsere Jungs auf das entscheidende dritte Tor – mal verpasste der eingewechselte Schäffeler, mal wurde Oehningers Versuch kurz vor der Linie entschärft. Bei letzterer Gelegenheit war jedoch ein Foul an Sämi Misteli auf der Sechzehnerlinie vorausgegangen – warum der Unparteiische in diesem Fall auf Freistoss entschied, schien zumindest rätselhaft.
Dass die abstiegsbedrohten Gäste noch selbst zu einer kleinen Druckphase kamen, war in Anbetracht der vom FCW verpassten Vorentscheidung und Seens eigener Situation zu erwarten. Wirklich ernsthaft eingreifen musste Keeper Zgraggen allerdings nur noch einmal, als er stark reagierte, bevor der Ball nochmals im Ping-Pong durch den Wiesendanger Strafraum irrte. Am Ende war's doch einfach so: Der FCW durfte seinen inzwischen vierten Sieg in Serie verbuchen und nähert sich langsam, aber nachhaltig dem Spitzenquartett. Das ist, auf der Suche nach der von Graf geforderten Konstanz, trotz Potential im spielerischen Bereich ein guter Anfang. Gleichsam schloss der Trainer seine Analyse mit der Vorgabe, "trotz drei Siegen zum Auftakt selbstkritisch zu bleiben", wie er anfügte. Sein FCW reist nun auf ein weiteres, schwierig zu bespielendes Geläuf in Stäfa, bevor nach der Osterpause vier Heimpartien en suite auf dem Plan stehen – gleichermassen mit drei weiteren Derbys als Leckerbissen.
