Der FCW & sein neuer Trainer vor dem Saisonstart: Evolution statt Revolution
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Der FCW & sein neuer Trainer vor dem Saisonstart: Evolution statt Revolution

Der FC Wiesendangen nimmt die 12. Spielzeit en suite in der 2. Liga in Angriff. Er tut dies unter neuer Führung – aber mit einem fast unveränderten Kader.

Es war in der Tat eine beachtliche Leistung, mit welch begrenzten Mitteln in der vergangenen Spielzeit der jüngste Trainer der 2. Liga die zweitbeste Saison des FCW seit dessen Aufstieg 2014 erreicht hatte. Fabian Graf leitete seine Truppe de facto in Alleinregie, mal mit dieser, mal mit jener Teilunterstützung aus dem spielenden Part der ersten Mannschaft. Oder anders formuliert: Es mutete schon etwas eigenwillig an, als etablierter 2.-Liga-Verein mit gewiss talentiertem Kader nicht mal einen festen Assistenten installiert zu haben.

Dieses Szenario hat sich in der diesjährigen Sommerpause verändert – Graf rückt zurück ins zweite Glied und unterstützt in seiner früheren Rolle als Assistenztrainer den neuen "Chef". Sokol Maliqi bringt jahrelange Erfahrung mit auf den Rietsamen – als ehemaliger Fussballer bis hin zur Super League, aber gleichermassen mit einem verlässlichen Leistungsausweis als Trainer auf verschiedensten Stufen und in Besitz der UEFA-A-Lizenz. Zuletzt war der 43-jährige im Nachwuchs des FC Winterthur tätig, wo er auch weiterhin parallel seine bisherige Aufgabe wahrnehmen wird.

So neu der Trainer ist, so wenig ist auf dem Rietsamen eine Revolution zu erwarten. Viel mehr bringt Maliqi frische Ideen und Einblicke von aussen mit. Gleichwohl war in den Vorbereitungsspielen ein dezidiert aggressiveres Anlaufen des Gegners zu erkennen. Das scheint ein erster Schritt auf dem Weg zum Unterfangen, "eine klare Handschrift zu entwickeln", wie es Maliqi selbst formuliert. Am Grümpi-Wochenende offiziell vorgestellt, schaute er an diesem kurz vorbei – und konnte gleich einen Augenschein nehmen vom regen Treiben auf dem Rietsamen. "Das Grümpi", so Maliqi, "ist wirklich legendär. Es spiegelt perfekt den Zusammenhalt im Verein wider – genauso, wie ich ihn bisher erleben durfte". Und: "Ich habe schon einige Vereine kennengelernt, aber die Atmosphäre hier ist durchweg positiv und hat etwas sehr Besonderes", fügt er noch an.

Was dem neuen Mann wichtig scheint, ist der Blick auf die Verhältnisse in der Mannschaft, die er beim FCW antraf. Er sagt also: "Ein Kompliment an Fabian (Graf) – er hat hier eine starke Einheit geformt. Die Mannschaft funktioniert als Einheit sehr gut, das spürt man sofort." Maliqi setzt seinen Fokus nun darauf, "die bestehenden Stärken weiter auszubauen und vor allem dem taktischen Defensivverhalten eine höhere Priorität einzuräumen." Gerade letzterer Punkt scheint bei 52 Gegentoren in der abgelaufenen Spielzeit durchaus einleuchtend – und deckt sich mit Grafs eigener Saisonanalyse.

Einmal mehr ist zu sagen, dass an der Kontinuität beim FCW auch mit einem neuen Übungsleiter nicht gerüttelt wird: Der Kader bleibt grösstenteils unverändert. Einzig Fabio Brehm hat sich entschieden, zurück ins "Zwei" zu wechseln – während vom FC Töss der schnelle Aussenbahnspieler Cerin Palladino dazugestossen ist, der im Test gegen Höngg bereits seinen Einstand feiern durfte. Maliqis erste Analyse lautete ziemlich schnell mal so: "Der Kader ist toll – vielseitig, mit guten Typen und starken Fussballern". Um noch zu ergänzen, dass "die Ausgangslage und die Möglichkeiten hier in Wiesendangen ideal" seien – "es passt sportlich wie menschlich, und das auf einem sehr guten Niveau", so Maliqi.

Der Kontakt mit dem FCW entstand über Chrigel Bretscher als Leiter der Aktivmannschaften einerseits, aber auch über Mario Meier, den Maliqi im Rahmen dessen Stages beim FC Winterthur kennengelernt hatte. Überhaupt befindet der 43-jährige, seine Erfahrungen im Nachwuchsbereich beim Stadtclub würden dem FC Wiesendangen und seinen jungen Talenten dienlich sein. Grosse Ankündigungen über konkrete Tabellenplätze wird man beim FCW wie gewohnt nicht vernehmen, weder vom Trainer noch von der sportlichen Leitung. Doch zutrauen darf man Mannschaft und Staff durchaus, je nach personeller Verfügbarkeit im dritten Jahr in Folge im ersten Drittel des Tableaus mitzuspielen.

Zum Schluss wird Maliqi noch zu seinen Erinnerungen an den FCW und den Rietsamen gefragt. Er überlegt kurz und sagt, was schon so mancher ähnlich formuliert hat: "Der FCW war für mich immer ein unangenehmer, aber zugleich fairer und respektvoller Gegner. Genau diese Mischung macht’s aus." Und fügt an, was so einige aus der grossen Fangemeinde jeweils zur Teilnahme an der "dritten Halbzeit" animiert: "Nach dem Spiel sitzt man hier seit eh und je noch lange gemeinsam zusammen. Diese Kultur ist mir sehr positiv in Erinnerung geblieben – sie sagt viel über den Charakter des Vereins aus", so Maliqi. In diesem Sinne: Prost, und auf eine erfolgreiche Spielzeit 2025/26!

Ramon Fritschi