Nach einer schwierigen Spielzeit 2025/26 will der FCW in Sokol Maliqis zweiter Saison wieder konstanter auftreten: Weniger Abstiegskampf und ein weiterer Lauf im Cup – so lauten die Ziele von Trainer und Mannschaft, die die ein oder andere Veränderung zu verzeichnen hatte.
Es war allen Beteiligten klar, dass die abgelaufene 2.-Liga-Saison entscheidend aufgewertet wurde durch den Marsch ins Finale des regionalen FVRZ-Cups in Kloten. Dieser ging zwar trotz Führung gegen Regensdorf verloren, doch der FCW hatte sich gleichwohl das Eintrittsticket für die erste Hauptrunde des Schweizer Cups gesichert. In der Meisterschaft derweil fehlte zumeist die Konstanz: Zu volatil präsentierten sich seine Darbietungen, zumal untermalt von wiederholten, nicht stets zwingenden Absenzen oder Verletzungen.
Maliqi hatte schon vor Saisonende mit Blick auf den Sommer eine "Verbesserung" in Bezug auf die Problematik der Absenzen gefordert. Die Vorbereitung wurde gemeinsam mit der zweiten Mannschaft koordiniert, was offenbar Qualität und Intensität des Trainings erhöht hat. Wiederholt halfen sich in den Testspielen "Eins" und "Zwei" gegenseitig aus, und allgemein ist zu sagen, die Vorbereitung sei grundsätzlich erwartungsgemäss verlaufen. Einer wie Kapitän Robin Oehninger etwa befindet, er habe diese "positiv erlebt" – sowohl "in der Art und Weise als auch resultatmässig", wie er beifügt.
In Zahlen ausgedrückt, sieht das Ganze durchaus vielversprechend aus: Drei Siege in vier Testspielen, und die eine Niederlage in Tägerwilen war alles andere als zwingend. Luft nach oben besteht insbesondere noch in der Chancenverwertung – zwar wurden in Regensdorf und Unterstrass fünf und vier Tore erzielt, doch in Tobel und Tägerwilen verzog man wiederholt aus besten Positionen. Gleichwohl soll gerade die Schlussphase der Generalprobe in Unterstrass, als man aus einem 1:2 noch ein 4:2 machte, eine Blaupause für den "neuen" FCW sein: „Dass wir die Partie noch kehren, ist ein gutes Zeichen hin zur Winnermentalität, die wir entwickeln wollen“, hatte Maliqi hinterher gesagt.
Zu wünschen ist, dass sich in der 13. Saison en suite im regionalen Oberhaus auch wieder ein, zwei regelmässige Scorer herauskristallisieren: Letztes Jahr waren dies die beiden Robins (Wüst und Oehninger) mit jeweils sechs Törchen – zu wenig für die Ansprüche einer Mannschaft, die im vorderen Mittelfeld mitspielen will. Wüst war es auch, der sich in der Vorbereitung mit fünf Treffern in guter Frühform bewies. Und einem wie Tobias Meli ist zu wünschen, dass er in diesem Jahr möglichst verletzungsfrei bleibt: Sein Potential für eine zweistellige Anzahl Tore ist unbestritten.
Einer der bleibenden Eindrücke aus der Vorbereitung ist auch jener, dass die Mannschaft in ihrer Breite besser abgestützt scheint. Trotz Karriereende eines Stammspielers wie Yves Nobs oder dem Abgang von Dado Josavac hat man mit drei Neuzugängen zusätzliche Optionen: Pascal Unterberger aus dem eigenen "Zwei", Cyril Dietz und Aris Dimitrakis werden ihre Spielzeit erhalten auf dem Weg zur gewünschten Konstanz und Stabilität (mehr zu den "Neuen" – siehe Abschnitt weiter unten). Cyrils Bruder Pascal derweil ist zwar kein Neuzugang, aber nach seiner Rückkehr und absolvierter Vorbereitung fast schon als ein solcher einzustufen. Mit Luca Ostas Verletzung bietet sich bereits wieder dem ein oder anderen die Gelegenheit, sich zum Auftakt aufzudrängen.
Und was sind sie nun, die Ziele von Mannschaft und Trainer? Maliqi formuliert es einfach mal so: "Nach einem Jahr und einer weiteren Vorbereitung kennen sich nun Mannschaft und Trainer genau. Wir haben", so der 44-jährige weiter, "einen Schritt nach vorne gemacht und setzen uns eine tabellarische Steigerung zum Ziel, verbunden mit einem besseren Torverhältnis". Sein Kapitän Oehninger denkt auch, "dass wir möglichst nichts mit dem Abstieg zu tun haben und tabellarisch besser abschneiden wollen". Und der 32-jährige fügt vielsagend an: "Im Cup wissen wir alle, was nach letztem Jahr unser Ziel sein muss …"
In welcher Formation der FCW seine ersten Partien bestreitet, das will Maliqi bewusst intern behalten. Klar ist: Eine Dreierkette wurde zwar erfolgreich eingeübt und getestet, doch der Trainer will sich die Optionen je nach Gegner und Personal offenhalten – wie etwa im ersten Durchgang in Unterstrass, als er in herkömmlicher Viererkette aufstellte. "Wir wollen", schliesst Maliqi seine Ausführungen vor dem Start, "variabler und unberechenbarer werden". Am Freitag mit dem Heimspiel in der ersten Runde des Schweizer Cups gegen Brühl St. Gallen wird der einschlägige Beobachter die ersten Eindrücke des "FCW 2.0" erhalten. Wir wünschen allen Lesern eine interessante und erfolgreiche Spielzeit!
Ramon Fritschi
Und das sind sie, die "Neuen" beim FCW – und so sieht sie der Trainer:
Pascal Unterberger / Angriff / 22 / zuletzt: zweite Mannschaft FCW
"Unti" ist natürlich, als Leistungsträger der "Zweiheit" und bereits als "Aushilfe" im Fanionteam im abgelaufenen Frühjahr, kein Unbekannter: Gleichermassen war er auch bereits Bestandteil der ersten Mannschaft unter Trainer Mike Koller, in der Saison 2021/22 stand er in 16 Partien in der 2. Liga auf dem Platz. Seine Schnelligkeit und Auge fürs Tor sind definitiv eine Bereicherung – und er scheint nach Jahren als Stammspieler unter Felipe Marchiori gereift und bereit für die permanente Rückkehr ins "Eins". Sein neuer Chef Sokol Maliqi sagt von ihm: "Pascal ist eine klare Verstärkung mit viel Torgefahr – sowohl als Start- als auch als Einwechselspieler."
Cyril Dietz / Mittelfeld / 28 / zuletzt: FC Seuzach (2016)
Dietz, der ältere Bruder unserer Nummer 10 Pascal, hat zwar eine jahrelange Pause hinter sich – bedingt durch einen Mix aus Auslandaufenthalt, Ausbildung und Verletzungen. Gleichwohl bringt der 28-jährige, der sich im Mittelfeld defensiv, aber auch auf der "Acht" wohlfühlt, Qualitäten mit, die der FCW im Verlauf der Saison noch brauchen kann: Vorerst gilt es für ihn, die erforderliche Matchfitness und Spielpraxis Schritt für Schritt aufzubauen. Sein Trainer schätzt ihn so ein: "Cyril wird mittelfristig eine Bereicherung sein. Natürlich geben wir ihm aber die nötige Zeit, um matchfit zu werden und sein damaliges Niveau zu erreichen."
Aris Dimitrakis / MF/Angriff / 18 / zuletzt: ZH City, B-Jun.
Dimitrakis, der letzte Neuzugang des Sommers, ist via Nachwuchs des FC Schaffhausen und Zürich City beim FCW gelandet. Dort durfte er im Frühjahr gar mal einen Teileinsatz über 36 Minuten in der 2. Liga interregional bestreiten. Der 18-jährige stand in Tobel erstmals im Wiesendanger Trikot auf dem Platz, und relativ zügig wurde der Transfer als definitiv vermeldet. Er ist offensiv vielseitig einsetzbar – in Tägerwilen stand er etwa als rechter Halbstürmer in der Startelf, in Unterstrass in einem 4-2-3-1 auf der rechten Seite. Flink und bissig, wird gleichzeitig interessant zu beobachten sein, wie schnell er sich an die Härten der 2. Liga gewöhnt. Sein Trainer meint: "Aris hat bereits eine gute Fitness, die richtige Mentalität und spielerisch gute Ansätze. Auch er wird aber noch Zeit gebrauchen, sich an den Erwachsenenfussball zu adaptieren."
Das Auftaktprogramm des FCW
Freitag, 14. August, 20:15: Brühl SG (h), Rietsamen, Schweizer Cup 1. Hauptrunde
Samstag, 22. August, 18:00: Gossau ZH (a), Im Riet, Meisterschaft 2. Liga
Samstag, 29. August, 18:00: Greifensee (h), Rietsamen, Meisterschaft 2. Liga
Foto: Nicole Osta
