Der FCW kassiert zwar sein erstes Gegentor in der Meisterschaft auf dem Rietsamen, kehrt aber wie in Wald die Partie dank einer starken zweiten Hälfte und bezwingt im Spitzenspiel Bassersdorf verdient mit 3:1.
In typisch herbstlichen Konditionen entwickelte sich im ersten Durchgang eine Partie auf Augenhöhe, wie es zu erwarten war. Mal hatte das drittplatzierte Bassersdorf seine starken Phasen, Dario Zgraggen entschärfte zweimal stark. Beim Gegentor nach einer Viertelstunde konnte er gegen einen von Simon Huss abgefälschten Ball nichts verrichten. Und mal hatte der FCW seine Momente, nicht zuletzt beim Ausgleich durch Aris Dimitrakis, der einen gekonnten Steckpass von Robin Oehninger souverän verwertete. Die wohl beste Gelegenheit auf ein Wiesendanger Führungstor vor der Pause verpasste derweil Zizou Fresneda vor dem praktisch leeren Tor - anzufügen ist gleichwohl, dass der Ball nicht einfach zu verwerten war.
FCW-Trainer Sokol Maliqi entschied sich während dem Pausentee für einen taktischen Schachzug, der wohl das Spiel entscheidend beeinflusste: Er tauschte Josh Toma und Deny Huber positionstechnisch ab und ermöglichte ersterem so, seine unterdessen gewohnte Rolle neben Luca Osta einzunehmen. Das Resultat? Ein Toma, der sich wie in den Wochen zuvor besser entfalten konnte und zusammen mit Osta das Spiel aus dem Mittelfeld lenkte. Bassersdorf bekundete mit dem Wiesendanger Pressing zunehmend Mühe, und eigentlich hätte nach einer Stunde und einem gediegenen Pass von Dimitrakis bereits die Wiesendanger Führung durch Robin Oehninger resultieren müssen. Der Kapitän machte es wenig später besser: Zuerst verwertete er einen Abpraller nach einem herrlichen Ball von Toma zur erstmaligen Wiesendanger Führung, nur Minuten später sah er, dass der FCB-Keeper etwas gar weit vor seinem Tor stand, und schlenzte den Ball über diesen zum vielumjubelten 3:1. Er habe, konzedierte Oehninger hinterher schmunzelnd, die Position des gegnerischen Hüters schon das ganze Spiel beobachtet.
Maliqi, frisch genesen von einer Herbstgrippe, bekam also die richtige Medizin verabreicht in Form eines Sieges, der eine verdiente Sache war. Wettbewerbsübergreifend war es der siebte Vollerfolg en suite - eine Serie, die beim FCW in dieser Form wohl noch nie vollbracht wurde. Besonders erfreulich: Die Siege sind kein Zufall, sondern jeweils Resultat von spielerisch erfreulichen Darbietungen, sowohl defensiv als auch offensiv, kollektiv wie individuell. Dario Zgraggen steht in den wenigen heiklen Momenten stets zur Stelle, die defensive Dreierkette Fresneda/Huss/Grabo steht wie eine Eins: Ersterer mit seiner perfekten Spielauslösung, zweiterer mit seiner Ruhe, und letzterer mit einem Kopfball nach dem anderen. Josh Toma ist in Topform - wenn er wie heute mal nicht trifft, liefert er doch wieder zwei Torbeteiligungen. Luca Osta ist momentan kaum vom Ball zu trennen, und Kapitän Oehninger markiert Tore wie zu seinen besten Zeiten. Nicht zuletzt auch dank schnellen und flinken Aussenspielern - Jüngling Dimitrakis etwa bot wohl seine beste Leistung im Wisi-Trikot. Auch Maliqi gefällt, „dass auch alle Jungen Fortschritte gemacht haben“. Für ihn entscheidend? „Die Fitness hat uns im zweiten Durchgang getragen“, wie er es formuliert.
In der Tat scheint der FCW nicht nur spielerische Fortschritte gemacht zu haben, er ist auch deutlich laufstärker als in der abgelaufenen Saison. Und nicht unerwähnt bleiben sollte der Umstand, dass immer noch diverse Akteure fehlen - und trotzdem Qualität auf der Bank sitzt. Dass nun die Gebrüder Meli mit einer englischen Woche vor der Brust zurückkehren, ist da sicherlich von Vorteil. Eines ist klar: Weder im Cup in Wiedikon noch am Sonntag in Brüttisellen will der FCW seine beeindruckende Serie beendet sehen.
Ramon Fritschi
Star man: Robin Oehninger mit einer Doublette in typischer „Oehni“-Manier: Mal mit einem Abstauber, mal mit sehr viel Cleverness und ganz wenig Frechheit.
Das gab zu reden: Zwar kassierte der FCW seinen ersten Gegentreffer in der Meisterschaft auf dem Rietsamen, doch die perfekte Heimbilanz bleibt bestehen: 4 Spiele, 4 Siege.
Telegramm: FCW 3:1 Bassersdorf (1:1)
2. Liga, 9. Spieltag
Rietsamen –220 Zuschauer
Tore: 15. 0:1, 28. Dimitrakis 1:1, 71./74. Oehninger 3:1.
FCW: Zgraggen – Huss, Grabo, Fresneda – Palladino (75. Schäffeler), Osta, Huber (75. Wüst), Fries (66. Trecek) - Dimitrakis, Oehninger (81. Brehm), Toma (87. Ehrensperger).
Bemerkungen: FCW ohne Misteli, P.Dietz, C.Dietz, Unterberger (alle verletzt), T. Meli und F. Meli (abwesend). – 10. Tor Oehninger wegen Offsides (?) aberkannt. – FCW ab zweiter Halbzeit mit Toma auf „Sechs“ mit Osta; Huber linker Halbstürmer.
