Der FCW fährt am Sonntag im dritten Anlauf den überfälligen ersten Sieg unter seinem neuen Trainer ein: Sokol Maliqis Truppe bezwingt auswärts den FC Gossau hochverdient mit 3:1.
Noch lange nach Abpfiff der Partie erlebte man einen erleichterten, sichtlich gelösten Wiesendanger Trainer. Gewiss, Maliqi sprach schon nach den nicht zwingenden Auftaktniederlagen gegen Greifensee und in Embrach vom Vertrauen in die Qualitäten seiner Equipe. Doch gerade auch ein erfahrener Mann wie er tätigte diese Aussage im Wissen, dass eine weitere Pleite wohl am Selbstvertrauen nagen würde – und der Fehlstart endgültig "perfekt" wäre. Diese Gefahr bestand an diesem spätsommerlichen Sonntag in Gossau in Tat und Wahrheit nur selten. Es begann mit der guten Kunde, das Spiel werde auf dem Naturrasen ausgetragen. Was anderswo zum Usus gehört, ist in Gossau stets eine Erwähnung wert, wurden doch bereits Begegnungen in der Vergangenheit bei besten Bedingungen ohne Not auf dem engen Kunstrasen angesetzt.
Das gute Gefühl rührte auch daher, dass Wisi bei seinen zwei letzten Gastspielen im Riet auf Naturbelag ungeschlagen blieb – und 2021 gleich mit 6:0 erfolgreich war! Ein vergleichbares Resultat war nicht zu erwarten, doch der FCW startete für einmal effizient in die Partie: Nach wenigen Minuten legte Tobi Meli den Ball von der Grundlinie zurück in die Mitte, wo Timon Welwolos Versuch aus aussichtsreicher Position auf der Torlinie geblockt wurde, bevor Josh Toma den Rebound zur Wiesendanger Führung verwertete. Diese baute man nach rund 20 Minuten gleich aus: Deny Huber initiierte den Angriff mit einer starken Balleroberung im Mittelfeld, um halblinks Tobi Meli zu lancieren, der das Leder aus 18 Metern mit seinem rechten (!) Fuss rechts oben im Tor versorgte. Eine wahrliche Zierde!
Abgesehen von einem Lattentreffer vermochte die Heimmannschaft, immerhin mit bereits sechs Zählern auf dem Konto, in der ersten halben Stunde nichts Zählbares zu kreieren. Umso ärgerlicher, dass der Anschlusstreffer Gossaus – nach einem Ballverlust im Mittelfeld – zwischen zwei hochkarätigen FCW-Gelegenheiten fiel: Mal wurde ein Versuch Robin Wüsts vom Torhüter geblockt, mal übersah dieser den perfekt postierten Welwolo. Alles in allem schien aber, trotz Überlegenheit des FCW, die nur knappe Führung zur Pause gerecht. Mit zunehmender Dauer des zweiten Durchgangs gelang es den Gästen, nun auch den Ballbesitz zu monopolisieren und den FCG teilweise hinten einzuschnüren. Die Frage war nur, ob denn das vorentscheidende dritte Tor fallen würde. Deny Huber etwa hatte dieses auf dem Kopf, ein andermal wurde der Abschluss des eingewechselten Robin Oehningers in letzter Sekunde abgelenkt, und Fabi Meli sah einen Dropkick knapp am Pfosten vorbeifliegen.
Man hatte aber selten die Befürchtung, Gossau würde den FCW noch mit einem Ausgleichstreffer bestrafen. Zu diszipliniert, zu zweikampfstark, ja aggressiv trat man als Kollektiv auf – gerade mit einer starken Abwehr, aber auch mit verbesserten Zweikampfwerten im Mittelfeld. So gelang "Oehni" rund 20 Minuten vor Schluss der überfällige dritte Treffer nach einer flüssigen Kombination, der mit dem entscheidenden Pass des zur Halbzeit eingewechselten Sharon Schäffelers auf den Kapitän die Krone aufgesetzt wurde. Maliqi, für den es gleichwohl die Rückkehr an eine alte Wirkungsstätte war, sprach hinterher davon, "dass wir heute früh in Führung gehen und gleich nachdoppeln wollten". Das sei ihnen, so der Trainer weiter, "sehr gut gelungen". Es war in der Tat einer der wohl markantesten Unterschiede zur Partie in Embrach vor Wochenfrist. Auch dort erspielte man sich im ersten Durchgang einige gute Möglichkeiten; Verpasste es aber, mindestens eine davon zu verwerten.
Für Maliqi und seine Truppe war einfach mal wichtig, die ersten drei Punkte mit auf die Rückfahrt nach Wiesendangen nehmen zu können. "Es war", fügte er an, "noch nicht alles rosig, aber wir waren klar die bessere Mannschaft an einem Ort, wo es nicht selbstverständlich ist, zu gewinnen". Für den FCW gilt es nun, den Aufwärtstrend im Heimspiel gegen Bassersdorf am Sonntagmorgen zu bestätigen.
Ramon Fritschi
Star Man: Tobi Meli. Ein wunderschönes zweites Tor, am ersten mitbeteiligt, fiel in diversen Offensivszenen und mit seinen typischen Dribblings auf: Der Dorf-Messi auf dem Weg zurück zu seiner Herbstform!
Das gab zu reden I: Ein kurliger, aber sympathischer Platz-Speaker, der bei den Wiesendanger Spielerwechseln auf die kleine, aber prominente Gästefan-Schar angewiesen war. Selbst FCW-Tore kündigte er mit dem Enthusiasmus eines Marktschreiers an.
Das gab zu reden II: Ein nach Spielschluss – nicht ganz ernst gemeinter – Abwerbungsversuch eines ungenannten Wiesendanger Abwehrspielers durch ein Staff-Mitglied der Gossauer. Selbstverständlich durch den betroffenen Akteur im Keim erstickt! Wer will schon mehr als einmal pro Saison die diversen Umleitungen ins Oberland erleben müssen?
