Joshs Hattrick genügt nicht: FCW verspielt 4:1-Führung
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Joshs Hattrick genügt nicht: FCW verspielt 4:1-Führung

Auch im sechsten Anlauf verpasst es der FC Wiesendangen, mal ein Derby gegen Seuzach für sich zu entscheiden. Er verspielt dabei gar eine Dreitoreführung in der Schlussphase und muss sich mit einem Punkt begnügen, der sich fast wie eine Niederlage anfühlt.

"Wir waren", sagte Trainer Fabian Graf hinterher, "über eine Stunde lang gut im Spiel, im Kopf klar und im Pressing konsequent – genauso, wie wir uns das vorgenommen hatten." Doch im Anschluss seien dem FCW, so Graf weiter, "Struktur und Kontrolle etwas entglitten". Es war in der Tat ein Ärgernis, dass man ein Spiel erst über weite Strecken derart zu kontrollieren vermochte, nur um sich dann auf der Zielgeraden selbst um den verdienten Lohn zu bringen. Der Knackpunkt war wohl eine Überzahlsituation beim Stand von 4:1, die man so ziemlich fahrlässig ausliess. Seuzach hätte nach einem fünften Gegentor kaum nochmals ins Spiel zurückgefunden.

Gerade im ersten Durchgang zeigte der FCW seinen ansehnlichsten Offensivfussball der Rückrunde. Schon das Führungstor von Josh Toma aus der Drehung war ein Augenschmaus, perfekt assistiert vom jungen Sharon Schäffeler, der mit einer guten Darbietung von Beginn weg auffiel. Das 1:1 gleich im Anschluss nach einem Ballverlust und Missverständnis in der Heimmannschaft war zwar ärgerlich, verunsicherte aber Grafs Männer nicht wirklich: Oehninger spielte einen perfekten Ball in die Tiefe auf Toma, der in aller Ruhe den gegnerischen Torhüter umzirkelte und zur erneuten Führung einschob.

Alsdann entwickelte sich ein Spiel nach dem Gusto des "Eins", fand man immer mehr Räume vor, die einem der Aufstiegsaspirant aus Seuzach auf der Suche nach einem erneuten Weg zurück ins Spiel logischerweise bot. In einer solchen Szene legte diesmal Josh für unseren Kapitän Oehninger auf, und auch der behielt vor dem Kasten die Nerven, um den verdienten Halbzeitstand sicherzustellen. Nach dem Seitenwechsel knüpfte der FCW dort an, wo er aufgehört hatte, und der auffällige Toma schoss in der Mitte dank Schäffelers zweitem Assist zum zwischenzeitlichen 4:1 ein.

Gleichwohl war nicht wirklich erkennbar, dass sich das Spiel noch in eine andere Richtung entwickeln könnte. Gewiss, der FCW verlor schrittweise die Kontrolle über das Geschehen, liess im Spielaufbau die Präzision und Entschlossenheit der ersten Hälfte vermissen. Doch zu sagen, dass Seuzach nun im Minutentakt zu riesigen Torchancen gekommen sei, hätte auch nicht den Tatsachen entsprochen. Selbst, als die Gäste rund zehn Minuten vor Ablauf der regulären Spielzeit den Rückstand verkürzten, glaubte kaum noch einer auf dem Rietsamen an eine Aufholjagd. Mit Anbruch der Nachspielzeit stieg die Nervosität auf und neben dem Platz hingegen urplötzlich, nach einem unnötig verursachten Elfmeter, den Seuzach dankend annahm.

Wenige Minuten später fiel dann tatsächlich der vielumjubelte Ausgleichstreffer der Seuzemer – zwar aus stark offsideverdächtiger Position, aber halt in seiner Entstehung auch sehr mangelhaft vom FCW verteidigt. "Die Gegentore", formulierte es Graf, "waren unnötig – aber symptomatisch für den Moment". Man könnte gar zum Schluss kommen, eine noch längere Nachspielzeit, und der FCW wäre schliesslich nicht mal mit einem Punkt dagestanden … Der Trainer gab seiner Mannschaft trotzdem noch – und zurecht – ein positives Feedback mit auf den Heimweg: "Wer eine Stunde lang so auftritt wie wir, kann dies auch über 90 Minuten". Und: "Wer das schafft, ist in dieser Liga schwer zu schlagen", so Graf.