Tobi serviert, Toma vollstreckt: Der FCW bezwingt Brüttisellen spät
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Tobi serviert, Toma vollstreckt: Der FCW bezwingt Brüttisellen spät

Dem FC Wiesendangen gelingt ein Rückrundenauftakt nach Mass: Dank Josh Tomas vielumjubelten Siegestreffer kurz vor Schluss setzt er sich im ersten Tabellendrittel fest – und behält den Anschluss ans Spitzenquartett.

Was sich am Samstagabend auf dem Rietsamen in der 87. Minute abspielte, ist auf manch anderem Fussballplatz schon passiert: Da drückt die eine Mannschaft – in diesem Fall der Gast aus Brüttisellen – fast eine Halbzeit lang mal mehr, mal weniger auf den Siegestreffer. Weil er aber wiederholt auch am stark parierenden Dario Zgraggen im Wiesendanger Tor scheitert, geschieht, was geschehen musste: Der FCW krönte eine seiner wenigen konkreten Offensivszenen im zweiten Durchgang mit einem Siegestreffer, der den gut besuchten Rietsamen beben liess wie schon länger nicht mehr. Tobi Meli hatte auf Josh Toma aufgelegt, der sauber verwandelte.

Danach war einfach zu sagen, dass es sich um einen untypischen Wiesendanger Vollerfolg handelte: Untypisch in dem Sinne, dass die bisherigen sieben Meisterschaftserfolge jeweils mehr oder weniger logische Folge der jeweils abgelaufenen 90 Minuten waren – ein "dreckiger" Sieg war nicht darunter, wenn auch im Spätherbst in Thayngen der entscheidende Treffer noch später fiel. Auch für Trainer Fabian Graf war hinterher offensichtlich, dass die Umstellung der Gäste aus Brüttisellen zur Halbzeit von Dreier- auf Vierkette gleichwohl zu einem Bruch im Spiel des FCW führte: "Nach ihrem Systemwechsel verpassten wir es, selbst unseren Plan anzupassen – das müssen und werden wir als Mannschaft künftig besser lösen, und damit meine ich ausdrücklich auch uns als Trainerteam".

Dass der ambitionierte und im Winter weiter verstärkte Aufsteiger eine gute Mannschaft ist, war also neidlos anzuerkennen. Gleichermassen war schön anzusehen, was der FCW vor dem Seitenwechsel darbot. Insbesondere über die linke Seite mit Tobi Meli und Lucas Trecek gelangen wiederholt ansehnliche Spielzüge, die zu mehreren guten Chancen führten – und eben Brüttisellen veranlasste, den Matchplan anzupassen. Zur Pause stellte der 1:1-Zwischenstand aus Heimsicht eine fast etwas zu magere Ausbeute dar, selbst wenn Tobi Melis Ausgleichstreffer hoch unters Tordach – eingeleitet über links von den gut nachsetzenden Josh Toma und Kapitän Robin Oehninger – erst spät fiel. Denn nebst den erwähnten Gelegenheiten – die gefährlichste wurde von Brütti-Keeper Hirzel stark gegen Tobi Meli pariert – verschoss unser Eins in Gestalt von Oehninger auch einen Elfmeter, und das relativ deutlich links neben den Pfosten. Vorhergegangen war ein cleverer Spielzug über die rechte Seite, in welchem Pipo Gfeller gefoult wurde.

Dass der FCW überhaupt einem Rückstand hinterherzurennen hatte, war dann schon eher ein Ärgernis. Ein langer Ball landete nach einer ersten Intervention Dario Zgraggens schliesslich vor den Füssen Joâo Miguel Pereiras, der somit zum zweiten Mal in der laufenden Saison gegen den FCW einnetzte – und in der Torjägerliste mit 12 Treffern neu an dritter Stelle steht. Ärgerlich auch, weil der FCW bereits zu diesem Zeitpunkt die aktivere Equipe war – zumal ihm in der Startphase ein klarer Handelfmeter verwehrt wurde. Der Kommentar eines Beobachters hoch oben auf dem Balkon des Garderobentrakts, dass hier offenbar Hand- statt Fussball gespielt werde, schien da nicht unzutreffend, zumal Pfadi Winterthur wenige Kilometer entfernt in der Tat zeitgleich die Kadetten empfing …

Am Ende spielte all das keine Rolle mehr, durfte Graf zufrieden sein "mit dem Ergebnis, der Mentalität sowie der spielerisch ansprechenden ersten Hälfte", wie er es formulierte. Man darf gespannt sein, ob der Trainingsplan in der laufenden Woche eine Sondereinheit Elfmeterschiessen beinhaltet: Jener Fehlschuss unseres Captains vom Samstag reiht sich ein in eine langsam, aber sicher etwas gar lange Liste an gescheiterten Versuchen, seit Sämi Misteli im September in Greifensee vom Punkt traf. Doch auch hier wollen wir mit einem positiven Aspekt schliessen: Immerhin droht kein Elfmeterschiessen mehr im Cup …