Der FCW legt am Sonntagvormittag nach und fährt den zweiten Vollerfolg en suite ein – den ersten auf dem Rietsamen: Er schlägt Bassersdorf spät, aber verdient mit 4:2 (1:1) – macht sich das Leben lange aber selbst schwer.
Hinterher war auch für Trainer Sokol Maliqi ein Ärgernis, "dass wir es unnötig schwer gemacht haben, wir das Spiel früher entscheiden müssten", wie er es formulierte. Denn eigentlich war es so: Der FCW kam auf schwierigem Terrain gut in die Partie, schnürte die Gäste in der Startviertelstunde regelrecht in und um deren Strafraum ein. Immer wieder boten sich auch günstige Gelegenheiten für gefährliche Gegenstösse nach Balleroberung. Was fehlte, war die entscheidende Präzision, aber auch der richtige Ball zum richtigen Zeitpunkt. Und um ein Haar wurde Wisi bestraft für die fehlende Effizienz, die man in Gossau in der Startphase noch an den Tag gelegt hatte: Der für den abwesenden Zgraggen das Tor hütende Roman Meier verhinderte mit einer schönen Parade die mögliche Führung für "Bassi", die regelrecht aus dem Nichts gefallen wäre.
Doch dann erzielte der FCW nach einer runden halben Stunde in Person Josh Tomas doch noch den fälligen Treffer zum 1:0, nachdem sich Robin Oehninger mit einem starken Rush über die rechte Seite durchgesetzt und pfannenfertig aufgelegt hatte. Statt nun konsequent das zweite Tor anzustreben, entwickelte sich bis zum Halbzeitpfiff eine stetig zerfahrenere Partie, mit regelmässigen Ballverlusten auf beiden Seiten. Und prompt gelang dem FCB kurz vor dem Seitenwechsel der schmeichelhafte Ausgleich, der aus einem solchen Ballverlust herrührte.
Als dann kurz nach Wiederanpfiff Deny Huber im Stile eines Stürmers eine Fehleinschätzung eines Bassersdorfer Verteidigers – nach Freistoss von Fabi Meli – gekonnt zur erneuten Führung nutzte, dachte sich so mancher: Diesmal wird der FCW ja wohl den Zweitorevorsprung herausspielen, den es für eine ruhige Schlussphase brauchen würde. Und diesmal drückte er auch konsequenter auf einen weiteren Treffer als nach dem 1:0 – nur um erneut am selben Vorhaben zu scheitern. Nach einem Wiesendanger Pfostentreffer verstrichen nicht viele Augenblicke, und schon lag der Ball nach einem schnell vorgetragenen Angriff der Gäste wieder zum Ausgleich im Tor.
Es schien nun der FCW erstmals etwas verunsichert; Er wackelte spürbar. Tatsächlich dachten sich die lange Zeit unterlegenen Bassersdorfer nun, dass die Heimreise unerwartet mit nicht nur einem, sondern gar drei Punkten angetreten werden könnte. Diesmal war es aber Wisi, das praktisch aus dem Nichts zum Torerfolg kam: Tobi Meli schickte in der Schlussphase den eingewechselten Robin Wüst auf die Reise, und dieser netzte ähnlich souverän wie in Embrach zu seinem zweiten Saisontor und zum vielumjubelten 3:2 seiner Mannschaft ein. "Dass wir", so fasste es Maliqi später zusammen, "trotzdem noch das dritte Tor erzielen, spricht für die Mentalität der Mannschaft". Und diesmal doppelte man auch effektiv nach – in der Nachspielzeit war gleichwohl von einer Trouvaille zu berichten, einem Tor Philipp Gfellers: Ziemlich genau ein Jahr nach seinem letzten Treffer traf "Pipo" wieder, damals noch im Rahmen eines 6:0-Erfolgs in Töss.
Es war also hinterher zu sagen, der Sieg sei trotz allen Widerständen – ob externer Natur oder infolge eigener Unzulänglichkeiten – verdient ausgefallen. So sah es auch der Trainer: "Es funktioniert noch nicht alles so, wie ich mir das vorstelle, aber das braucht seine Zeit". Und: "Es war einfach mal ein wichtiger und verdienter Sieg zum Nachdoppeln, der uns ermöglicht, mit Selbstvertrauen nach Greifensee zu fahren", so Maliqi weiter. Dort trifft man in der zweiten Cuprunde auf einen unangenehmen Gegner, mit dem man noch eine kleine Rechnung offen hat …
Ramon Fritschi
Star Man: Deny Huber. Defensiv stets souverän, ballsicher und zweikampfstark. Offensiv mit seiner gewohnten Kopfballstärke auf Standards – und einem Tor zum 2:1, das nicht jedermann derart abgeklärt markiert – gerade nicht als Verteidiger!
Das gab zu reden I: Der Rietsamen und sein Rasen – er wird auch diesen Herbst nicht in der engeren Auswahl für "best kept pitch in the league" stehen …
Das gab zu reden II: Wie Pipo Gfeller in der Szene zum 4:2 den aus dem Offside zurückeilenden Teamkollegen Robin Wüst regelrecht aus dem Weg räumen muss: Es gibt sicherlich einfacher zu überwindende Objekte …
Das gab zu reden III: Der einstige Wisi- (und Bassi-)Trainer Gianni Lavigna war mal wieder zu Besuch auf dem Rietsamen, um seine beiden einstigen Equipen zu begutachten. Er tat dies in der Rolle als aktueller Trainer des FC Thalwil, der seine 2.-Liga-inter-Gruppe anführt.
